BotschafterInnen

KristinSeit ich denken kann, begleiten mich in meinem Glauben viele positive Botschaften, die allen Menschen bei einem friedlichen Dasein auf unserer Erde helfen können. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist dabei das vielleicht wichtigste Gebot aller Weltreligionen. Zu unseren Nächsten gehören für mich – anders als das leider in unserer Welt der Fall ist – alle Lebewesen: Hühner wie Hunde, Kühe wie Katzen, Marder wie Mäuse. Menschen nutzen ihre Macht, um Tiere für ihre Zwecke – Essen, Unterhaltung, Kosmetik – zu missbrauchen und umzubringen, statt sie unter ihren Schutz zu stellen und Nächstenliebe in all ihren Facetten zu leben. Dabei ist „Du sollst nicht töten“ als eines der zehn Gebote einer der grundlegendsten Pfeiler der christlichen Kirche. Es scheint, als ob die Kirche den richtigen Weg selbst nicht mehr findet – daher ist es verständlich, dass viele Menschen den Glauben verloren haben. Wer sich aber richtig umschaut, findet im Christentum viele tolle Ansätze, die uns unabhängig von der Institution Kirche daran erinnern, wie ein friedliches Miteinander ohne das Ausbeuten und Töten von Lebewesen aussieht. Jeder Mensch kann in seinem eigenen Leben Hunderten wundervollen Tieren das Leben nehmen – oder es ihnen mit der bewussten Entscheidung, tierleidfrei zu leben, schenken. (Kristin, Stuttgart)

Jan Mücher BildGanz am Anfang der Bibel steht im Schöpfungsauftrag, dass der Mensch die ganze Erde in Besitz nehmen und auch über die Tiere herrschen solle. Gleichzeitig wird jedoch auch die Fürsorgepflicht des Menschen gegenüber den Tieren erwähnt. In der antiken Welt der Bibel gibt es eine klare Definition für den Begriff des Herrschens. Es bedeutet, die Leben der „Untertanen“ vor äußerlichen oder inneren Bedrohungen zu schützen und für ihr Wohl zu sorgen. Der Herrschende trägt also eine Verantwortung gegenüber dem Beherrschten, schließlich ist seine Herrschaft durch die Fürsorge legitimiert. Auch für das Gegenteil dieses Herrschaftsverständnisses kannte die damalige Welt ein passendes Wort: Tyrannei. Und von eben dieser ereignet sich massenhaft auf unserer Erde. Tiere werden unter würdelosen Umständen gehalten, gequält und in industriellen Schlachthöfen getötet. An jeder Ecke der Stadt erhalten die Menschen auf die Schnelle einen Döner oder Burger. Oft vergeht dabei jedes Gefühl dafür, dass es sich dabei um ein Tier handelt. Gerade in dieser Zeit kann der Herrschaftsauftrag eine Alternative darstellen und bewusst machen, wie unser Verhältnis zu Tieren im Christentum definiert ist. Leid und Qual sollen nicht sein, Fürsorge und Verantwortung schon. Die Kirchen in Deutschland sollten das Thema Tierschutz daher mit auf ihre Agenda setzen und nicht als Nebenthema auf den letzten Seiten der Gemeindebriefe verkommen lassen. (Jan, Göttingen)

JohannaFür mich ist ein Grund das Gebot: „Du sollst nicht töten.“ Dazu gehören für mich auch Tiere. Sicher ist es uns erlaubt, Tiere zu essen. Aber ich glaube nicht, dass wir es unbedingt müssen, um überleben zu können. Ich möchte jedes Lebewesen mit Respekt behandeln. Ich kann das Tierleid, das verursacht wird, damit wir Fleisch essen können, nicht hinnehmen. Gott hat uns den Auftrag gegeben, seine Schöpfung zu bewahren. Massentierhaltung schadet zudem der Umwelt, fördert den Klimawandel und verschmutzt das Trinkwasser. Das Getreide, das an die Tiere verfüttert wird, sollte als Nahrung für den Menschen genutzt werden. (Johanna, Greifswald)

Christian D. Schmidt, Silvester 2015Mit Tierschutz hat der christliche Glaube zumindest so lange nicht viel zu tun, wie der „Glaube“ als bloße Befolgung einer religiösen Lehre gilt. Erst wenn dieser von Erziehung und Kultur tradierte Glaube persönlich wird, wird auch dessen Zentrum, das „Doppelgebot der Liebe“ (Matth. 22, 37-40), für uns verbindlich, und wir fragen: „Wer ist mein Nächster?“ Die Antwort der Bibel (Gleichnis vom Guten Samariter) scheint sich nur auf Menschen zu beziehen, aber dem ist nicht so. Albert Schweitzer sagte einmal, dass es uns Menschen egal sein könne, ob Tiere vernunftbegabt sind oder nicht. […] Aber zu wissen, fährt Schweitzer fort, dass Tiere leiden und Schmerzen haben können, macht sie zu unseren Mitgeschöpfen. Und hier ist die Verbindung zum Glauben an einen liebenden Schöpfergott, auf den alles Leben in dieser Welt zurückgeht. Tierschutz ist ein wesentlicher Teil dessen, was seit Beginn des sogenannten „Konziliaren Prozesses“ 1983 „Bewahrung der Schöpfung“ heißt. Erst jetzt, nach mehr als 30 Jahren, entdeckt die Kirche im „Seufzen der Kreatur“ (Röm. 8,18ff) auch die Not der Tierwelt, die sehnsüchtig auf die „Offenbarung der Gotteskinder“ wartet, also auf das Tun und Lassen der Christenheit auch in Sachen Tierschutz und Tierrecht. Davon ist in unseren Gemeinden allerdings kaum etwas zu merken. Christen werden sich des geradezu schizophrenen Charakters überkommener Tierliebe viel zu wenig bewusst: Wir haben vielfach „Haustiere“ (meist Katzen und Hunde), die wir wie Familienmitglieder behandeln und deren Verlust oft tiefe Trauer für uns bedeutet. Daran ist nichts Verwerfliches, doch verwerflich wird es, wenn wir als Mitgeschöpfe eine massenhafte, industriell betriebene „Tierproduktion“ (das Wort allein ist schon blasphemisch!) kritiklos hinnehmen, die jedes Jahr allein in Deutschland 800 Millionen „Nutztiere“ das Leben kostet! Erst jetzt veranstaltet die eine oder andere kirchliche Einrichtung Diskussionen und Begegnungen mit Betreibern und Gegnern der immer zahlreicher im Land entstehenden Tier-KZs, um die Frage einer „verantwortungsvollen Fleischproduktion“ mühsam zu klären! Geht es jedoch nur darum? Nimmt die Massentierhaltung weltweit noch zu, nennt ein amerikanischer Report (FAIRR Report 2016) mehr als ein halbes Dutzend globaler Risikofaktoren, die unsere Umwelt bedrohen, von pandemieartigen Krankheitsausbrüchen (Schweine- und Geflügelpest) bis hin zu einem beschleunigten Klimawandel durch massive Treibhausgasemissionen (mehr als im Straßenverkehr!). Was tun? Jeder Christ bleibt aufgerufen, das „Seufzen der Kreatur“ nicht länger zu überhören. Tierschutz ist eine gute Antwort auf diesen Ruf. (Christian, Berlin)

Konfirmiert und aufgewachsen unter „dem Dach“ der evangelischen Kirche war ich jahrzehntelang Kirchenmitglied. Diese Mitgliedschaft hat trotz vieler beruflicher Umzüge Bestand gehabt. Ich stamme aus dem Lipperland und mein Elternhaus war traditionell konfessionell engagiert. Es war alles sehr konservativ geprägt. In den letzten Jahren rückte die Rolle der Kirche im Umgang mit den Mitgeschöpfen – Gottes Mitgeschöpfen – immer mehr in meinen Fokus. Nicht nur, dass auch die evangelische Kirche erhebliche Missbrauchsfälle gegenüber ihren „kleinen Schutzbefohlenen“ zu verantworten hatte; auch die Tiere unterfielen nicht dem tätigen Schutz der Kirche. Völlig unverständlich, denn die Arche Noah rettete nicht nur Primaten, darunter die Menschen, sondern auch eine Auswahl aller anderen Tiere, eben Gottes Geschöpfe.
Der viel geschmähte Islam betont durch den Propheten Muhammad ausdrücklich die „Liebe zu allen Mitgeschöpfen“ im Namen von Allah – sogar zu den Kleinsten, den Ameisen. Auch der Koran gibt keinen Freibrief für die unbeschreibliche Gewalt, die sich jedes Jahr gegen Hunderte Milliarden Tiere weltweit richtet. Nichts anderes vertritt das Christentum: Die Bibel unterstellt die Tiere ganz klar dem Schutz der höchsten Tiere, der Menschen. Im Alten Testament steht in der Genesis: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn.“ Und die Tiere schuf Gott als Gehilfen, damit der Mensch nicht allein auf dem blauen Planeten bleibt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels […].“ Und: „Dann sprach Gott: Das Land lasse junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen, die Samen tragen, und von Bäumen, die auf der Erde Früchte bringen mit ihrem Samen darin.“ Der Mensch als Abbild Gottes ist mit Sicherheit nicht auf dieser Welt, um derartige Verbrechen gegenüber den Tieren zu begehen. (Holger, Frankfurt)

IlkaIn einem Zuhause mit Tieren und Kontakt zu Christen aufgewachsen, schlief meine Beziehung zu Gott später immer mehr ein. Meine Tierliebe aber blieb, und auch durch Vorbilder in meiner Familie wurde ich mit 29 Jahren Vegetarier. Doch aufgrund einer persönlichen Krise wurde ich „rückfällig“. Durch einen Schicksalsschlag aufgeweckt, wandte ich mich Gott erneut, jedoch erstmals mit ganzem Herzen und aus tiefster Seele zu – und er veränderte mein Leben grundlegend und nachhaltig. Ich erlebte Heilung bei mir und meinem an Krebs erkrankten Hund, strich Fleisch erneut von meinem Speiseplan, ging in eine Baptistengemeinde, ließ mich ein zweites Mal – doch nun bewusst – taufen. Während eines Gebetsabends sprach Gott in die Stille, in mein Leben hinein: „Tue etwas für die Tiere!“ Meine Berufung!? Wie sollte es jetzt weitergehen? Mich aktiv im Tierschutz, vor Ort, wo es wehtut, engagieren? Dazu war ich nervlich nicht stark genug. „Beginne bei dir, ändere dein eigenes Konsumverhalten, lebe vegan!“ Er machte mir in den folgenden Wochen bewusst, dass es nur so gehen kann. Ohne speziell danach zu suchen, wurde ich plötzlich mit Infos über die hinter Milch, Käse und Eiern steckende Tierqual überschüttet. Wie konnte ich das bisher übersehen? Vegetarier zu sein, war nicht genug! Im Alphakurs, an dem ich zu der Zeit teilnahm und dessen Abende jeweils mit einem gemeinsamen Essen begannen, machte ich meine Entscheidung, ab sofort vegan zu leben, publik. In nun folgenden Gesprächen zu diesem Thema bekam ich dann so richtig heftigen Gegenwind zu spüren: „Gott hat uns aber erlaubt …“, „Jesus hat doch auch …“, „Wir stehen über den Tieren“, „herrscht über die Tiere“ und „Gottes Zuspruch für die vegane Lebensweise lässt sich biblisch nicht belegen“ – damit verteidigen Christen ihren Konsum Tierqual verursachender Produkte. Nein, Tierschutz war und ist kein Thema in der Kirche – ganz gleich, welcher Konfession. Das muss sich ändern! Und DAS ist es letztlich, wozu mich der Schöpfer allen Lebens, welches er einst in jeglicher Form für „sehr gut“ befand (1. Mose 1, 31), berufen hat: Schwestern und Brüder im Glauben auf ihre Verantwortung gegenüber der Schöpfung hinzuweisen. Gott schuf kein Geschöpf besser oder wertvoller als das andere. Seine Intention war eine vegane Welt, und wenn Jesus einst zurückkehrt, wird dieser paradiesische Zustand wiederhergestellt. Warum sollten wir nicht schon heute damit beginnen? Was hält uns davon ab? Es ist so einfach! Ich sehe kleine, doch noch viel zu kleine Fortschritte in der Christenheit, der „neue“ Papst entdeckt die Wichtigkeit der Wahrung der Schöpfung peu à peu, Menschen anderer Konfessionen und Konfessionslose werden für Tiere aktiv und versuchen, das „Ansehen“ der Mitgeschöpfe in den Köpfen der Gläubigen zu steigern. Doch es bleibt noch so viel zu tun. Ich möchte – und ich soll – daran mitarbeiten, suche aber auch händeringend Mitstreiter! Jesu Aufruf zu Frieden, Liebe, Gerechtigkeit, Sanftmut und Barmherzigkeit gilt auch für den Umgang mit unseren tierischen Brüdern und Schwestern. DAS gehört in Predigten, muss von den Kanzeln aller Kirchen gerufen werden! BITTE HELFT MIT! (Ilka, Neuss)

 

FotoMeine persönliche Umkehr zu Gott und mein Lebenswandel zugunsten der Tiere gingen Hand in Hand. Während meiner Firmvorbereitung machte ich mir zunehmend Gedanken über mein Verhältnis zu Gott, über meinen eigenen Glauben und als Konsequenz daraus auch über den Umgang mit der Schöpfung im Allgemeinen. Nachdem ich im Sommer 2013 durch den Austausch mit einem Veganer zum noch stärkeren Nachdenken über unsere nichtmenschlichen Mitgeschöpfe angeregt wurde, stand meine Überzeugung sehr schnell fest: Das Gebot der Nächstenliebe kann sich nicht nur auf Menschen beziehen und daher haben wir kein Recht, uns aus egoistischen Beweggründen an Tieren zu bereichern – sei es für Genuss, Kleidung oder Unterhaltung. Auch der Herrschaftsauftrag des Menschen (Gen 1, 28) berechtigt uns nicht dazu, Gottes Schöpfung schamlos auszubeuten, sondern befiehlt uns im Gegensatz vielmehr, die Natur und alle Geschöpfe zu bewahren und zu behüten. Bereits einen Vers später wird der Mensch sogar darauf hingewiesen, dass uns „Kraut“ und „fruchtbare Bäume“ als Speise dienen sollen (Gen 1, 29). Seit dieser Erkenntnis lebe ich in der Überzeugung, dass wir unsere Mitgeschöpfe nicht zu unserem eigenen Vorteil versklaven und töten dürfen, denn sie leben mit und nicht für uns auf dieser Erde. Daher halte ich es seitdem mit Mt 25, 40: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

 

Sie möchten auch ein/e BotschafterIn für die Tiere werden?

Dann schreiben Sie uns einfach an kontakt@christen-fuer-tiere.de

 

 

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